Interdisziplinäre Diagnostik und Therapie der cranio-mandibulären Dysfunktionen – für Kieferorthopäden und mitbehandelnde Physiotherapeuten –
Schmerzen und Funktionsstörungen des Bewegungsapparates stellen aktuell ein bedeutsames Krankheitsbild dar. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Patienten, die an Funktionsstörungen und Schmerzen leiden, drastisch erhöht. Gleichzeitig stellen die Krankenkassen fest, dass die therapeutische Effizienz bei diesen Patienten eher niedrig ist. Das bedeutet, dass viel Geld ohne das Erreichen eines dauerhaften Therapieergebnisses ausgegeben werden muss. Diese Tatsache wiegt umso schwerer, als Funktionsstörungen z. B. im cranio-mandibulären System (CMS) unter dem Faktor Zeit zu Dysfunktionen und Schmerzen im cranio-cervikalen System (CCS) führen. Wird in diesen Fällen nicht adäquat behandelt, kann es zu einer Ausbreitung der Dysfunktionen auf das cranio-sakrale System (CSS) als somatisches Korrelat des Chronifizierungsprozesses kommen. Andererseits können aber Funktionsstörungen im cranio-cervikalen System (CCS) oder im cranio-sacralen System (CSS) zu Störungen im cranio-mandibulären System (CMS) führen oder diese trotz einer adäquaten Therapie im CMS dauerhaft chronisch unterhalten. Deshalb ist es für den Behandler von Bedeutung, sich einen Überblick über die Dysfunktionen des ganzen Körpers zu verschaffen. Dieses Wissen ermöglicht es dann, zielgerichtete Therapie – meist im interdisziplinären Kanon – durchzuführen und durchzuhalten.
Die Diagnostik im cranio-mandibulärenSystem liegt naturgemäß federführend beim Zahnarzt bzw. dem Kieferorthopäden. In speziellen Fällen wird es notwendig sein, den Orthopäden hinzuzuziehen. Dafür sollten Sie diese Zusammenhänge zwischen den einzelnen funktionellen Systemen kennen und in deren Diagnostik sowie in deren Therapie erfahren sein. Aus der Sicht der über fünfzehnjährigen interdisziplinären Zusammenarbeit sowie der klinischen Erfahrung der Referenten bedürfen diese komplexen Fälle einer simultanen Diagnostik und Therapie durch unterschiedliche Fachdisziplinen.
Der Workshop „Interdisziplinäre Diagnostik und Therapie der cranio-mandibulären Dysfunktionen“ zielt exakt auf diese Zusammenhänge. Sowohl aus zahnärztlich / kieferorthopädischer als auch aus orthopädischer Sicht werden alle für das Erkennen und zielgerichtete Behandeln dieser Patientengruppe relevanten Verfahren erläutert und kritisch bewertet. Die aus der Sicht langjähriger klinischer Erfahrung relevanten Screeningtechniken, die auf eine Verbindung zwischen dem CMS und dem CCS/CSS hinweisen können, werden Schritt um Schritt erarbeitet. Damit soll der Zahnarzt/Kieferorthopäde, durch eine im Praxisablauf beherrschbare Untersuchungskaskade, Funktionsstörungen sicher diagnostizieren können. Darüber hinaus soll er erkennen, wann interdisziplinäre Therapie eingeleitet werden sollte.
Zudem soll der Zahnarzt/Kieferorthopäde in die Lage versetzt werden, dieselbe Sprache wie der Orthopäde zu sprechen, um gemeinsam den Fortgang der interdisziplinären Therapie zu lenken und zu einem individuellen Optimum für den Patienten zu führen. Die Teilnehmer erarbeiten sich die Kursinhalte praktisch durch fortwährendes Üben in Zweiergruppen. Dabei werden zunächst die Techniken im Vortrag vorgestellt, mittels Projektion auf Großbildleinwand online demonstriert und zeitgleich von den Kursteilnehmern praktisch umgesetzt. Zur Gedankenstütze und zur Anleitung für die eigene Praxis sind alle Techniken sowie Diagnostik- und Therapieabläufe in einem ausführlichen Skript dargestellt.