Funktionstherapie vor, während und nach Kieferorthopädie
Die Therapie cranio-mandibulärer Dysfunktionen unterscheidet heute die initiale Therapie von weiteren therapeutischen Maßnahmen zur Sicherung des Ergebnisses.
Die Initial-Funktionstherapie sollte dabei nach übereinstimmender Bewertung internationaler Fachgesellschaften primär mittels reversibler Mittel erfolgen. Wenn diese Behandlung erfolgreich ist und in Beschwerdefreiheit und gleichmäßig abgestützter Bisslage mündet, ist damit die Funktionstherapie abgeschlossen. Per Definition ist dieses mithin der Normalfall.
Nur wenn nach erfolgreicher initialer Funktionstherapie eine Veränderung der Kieferrelation verbleibt, bedarf es eines dauerhaften Okklusionsausgleichs. Die Indikation für derartige irreversible funktionstherapeutische Maßnahmen ist mithin an die erfolgreiche Simulation der angestrebten Veränderung mittels reversibler Therapiemittel gebunden (Policy-Statement der AADR 1996; wiss. Stellungnahme der DGFDT, DGKFO, DGPro, DGMKG, AGKi und der DGZMK 2005). Hierfür geeignet sind entweder kieferorthopädische oder restaurative Maßnahmen.
Sofern kieferorthopädische Maßnahmen nicht geeignet sind oder nicht gewünscht werden, können dafür heute anstelle invasiver (Teil-)Kronen neue „Repositions-Onlays“ und „Repositions-Veneers“ zum Einsatz kommen (Ahlers 2003, 2007, 2010). Diese werden im indirekten Verfahren nach schädelbezüglicher Übertragung der Oberkieferposition im individuellen Artikulator gefertigt, unter gelenkbezüglicher Zuordnung des Unterkiefermodells nach dem erfolgreich umgesetzten Registrat ohne Präparation unter adhäsiver Befestigung (natürliche Zähne: Säureätztechnik; Metall- oder Keramikoberflächen: tribochemische Adhäsivtechnologie). Wesentliche Vorteile dieser Technik sind der Verzicht auf invasive Präparationsmaßnahmen und Lokalanästhesien sowie die Übertragung der therapeutischen Kieferposition in einem Schritt. Die klinische Überlebensdauer dieser Restaurationen hängt dabei offenbar wesentlich vom Material ab, wie die Ergebnisse einer aktuellen kontrollierten klinischen Studie aus der Einrichtung des Referenten zeigen. Die Technik ist mit kieferorthopädischer Vorbehandlung kombinierbar, wie vorgestellte Patientenfälle aus gemeinsamer Behandlung zeigen. Repositions-Onlays und -Veneers aus Composite sind damit je nach Material zur semipermanenten oder permanenten Übertragung der zuvor erfolgreich simulierten Kieferposition klinisch bewährt.